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Einweihung der Gedenkstätte in Mitrowitz

Solange die ideologischen Atheisten das Regiment in Jugoslawien führten, hat es zwar viel Gerede von sozialistischen Idealen, jedoch keine warme Menschlichkeit und deshalb auch keine wirkliche Kultur gegeben. Es gab protzige Denkmäler für „Volkshelden“, die sich in der Regel als brutale Mörder einen Namen gemacht haben, aber keine Kultur der Humanität. Daher gab es auch keine Hinweise auf die Massengräber, geschweige denn so etwas wie eine Kriegsgräberfürsorge oder eine gute Sitte des Gedenkens an alle, die ihr Leben lassen mussten, nur weil sie Deutsche oder solche Serben waren, die nicht in das politische Konzept des Staates gepasst haben.
 
Das wurde erst anders, als in Serbien ein edel gesinnter demokratischer Politiker wie Dr. Zoran Djindjic (Đinđić) Einfluss auf die Menschen bekommen konnte. Er wurde demokratisch zum ersten Ministerpräsidenten gewählt, und das war ein Signal für eine Wende in der politischen Öffentlichkeit. Zwar wurde er leider 2003 das Opfer eines tödlichen Attentates durch übertrieben nationalistische Serben, aber die Mehrheit des serbischen Volkes – im besonderen die junge Generation – ging schrittweise auf dem Wege seiner versöhnlichen, europäisch ausgerichteten Politik weiter. Sie erkannten bald, dass die von Serben begangenen Verbrechen genauso verwerflich waren, wie die Verbrechen der „Faschisten“; - ein politisches Schimpfwort, mit dem man im kommunistischen Jugoslawien alle Deutschen belegt hat, um ihre ausdrücklich beschlossene Vernichtung zu rechtfertigen.
 
Als die Rathäuser, die Bezirks- und Landesregierungen im nördlichen Teil Serbiens, der so genannten „Vojvodina, von demokratisch gesinnten Persönlichkeiten besetzt wurden, bekam die serbische Innenpolitik eine deutliche Anpassung an die Standards der Europäischen Union und der UNO. Dazu gehörte auch die Aufarbeitung der dunklen Epoche des Tito-Kommunismuis, und so kam es relativ bald zur Errichtung von Gedenkstätten für die Toten an fast allen Orten, an denen es von 1944 bis 1948 die Hunger- und Todeslager und die damit verbundenen Massengräber gegeben hat.
 
Am 19. September 2008 wurde auch eine Gedenkstätte für die rund 2000 Menschen aufgerichtet, die in der „Svilara“ in Sremska Mitrovica (die Deutschen nennen den Namen der Stadt einfach „Mitrowitz“) durch Hunger, Krankheiten und willkürlichen Mord ums Leben gekommen sind. Ungefähr 500 Angehörige von ihnen waren aus Deutschland und Österreich sowie vereinzelt auch aus Übersee zu der Einweihung gekommen. Es war ein nasskalter Samstag.
 
Die schlichte Feier wurde auf dem katholischen Friedhof der Stadt abgehalten, wo im Bereich eines kleineren Massengrabes und mehrerer Einzelgräber die mit Spendengeldern von Angehörigen erbaute Gedenkstätte ihren Platz gefunden hat. Von Seiten des Stadtrates war Bürgermeister Dr. Lemajic selbst gekommen, der mit bewegenden Worten Serben und Deutsche dazu ermahnte, alles daran zu setzen, dass solche Unmenschlichkeiten nirgends auf der Welt noch einmal geschehen dürften. Geistliche der einheimischen serbisch-orthodoxen, der römisch-katholischen sowie der evangelischen Kirchen lasen tröstende Worte der Bibel und beteten für die Toten.  Repräsentanten der deutschen und österreichischen Botschaften, die Amtsträger der donauschwäbischen Verbände aus Deutschland und aus Übersee fanden ebenfalls bewegende Worte zum Gedenken an die Toten.
Besonders muss der serbische Ingenieur Jovica Stevic aus Mitrowitz erwähnt werden. Er tritt in seiner Heimatstadt wie kein anderer Serbe öffentlich für die Aufarbeitung der geschichtlichen Epoche des jugoslawischen Partisanenstaates furchtlos auf. Seine Aktivitäten werden in Presse, Rundfunk und Fernsehen rühmlich genannt, und er gilt den Donauschwaben in aller Welkt als ein aufrichtiger Freund überzeugender Humanität und unbestechlicher Wahrhaftigkeit. Obwohl er sich mit diesen Tugenden auch Feinde unter seinen eigenen serbischen Landsleuten macht, wird er nicht müde und lässt in seinem Eifer für die Rehabilitation der unschuldigen Opfer und der aus ihrer damaligen Heimat vertriebenen Donauschwaben nicht nach.
Die meisten Menschen deutscher Zunge im ehemaligen Jugoslawien lebten von 1750 an bis zu ihrer Vertreibung 1944/45 im Siedlungsgebiet entlang der unteren Donau zwischen den europäischen Hauptstädten Budapest und Belgrad. Nach 1918 waren sie zu einer Minderheit im neu etablierten „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ (später „Jugoslawien“) geworden. Darum gibt es gerade in diesem Gebiet auch die meisten Massengräber mit ermordeten deutschen Zivilsten. Insgesamt sind es zwölf. Sie erinnern an die schmachvollste Epoche der jüngeren serbischen Geschichte, etwa so, wie in Deutschland die Gedenkstätten in Dachau, Bergen-Belsen, Buchenwald oder Flossenbürg an die schmachvollste Geschichte des deutschen Volkes erinnern. Und sie mahnen hier wie dort die künftigen Generationen, dass es solche Verbrechen nie wieder auf der Erde geben dürfe.
 
Nach dem Gedenkgottesdienst gingen die Teilnehmer zur „Svilara“, um auch dort Blumen nieder zu legen und ein Gebet zu sprechen.
 

 

 
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(Erstellt: 25.01.2010, letzte Änderung: 05.02.2010)

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