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Reise nach „d`heem“ – Beschka vom 26. Mai bis 1. Juni 2009

Dieser „Bericht“  ist ein Konzentrat von Eindrücken und – Gefühlen. Beschka war mein Leben lang ein unerreichbarer mystischer Ort. Vieles im Leben meiner Eltern, Großeltern und meiner Urgroßmutter war untrennbar mit „Beschka“ verbunden. In meinem nun fast 60 Jahre währenden Leben stand immer dieser Ort im Hintergrund. Und nun kam für mich die Gelegenheit, mich in dieser Kulisse zu bewegen, die für ihr Leben einstens Bühne war. Ich schloss mich der Busfahrt in die alte Heimat an, während andere Landsleute die moderne Reiseform des Fliegens bis Belgrad benutzt haben. Bereits im Bus war die gemeinsame Vergangenheit spürbar;  – spürbar zwischen den Menschen, die Beschka noch selbst erlebt hatten und denen, die „nur“ Nachkommen von Beschkaern sind, so wie ich. Der alte Dialekt bildete eine emotionale Brücke, die alle Reisenden irgendwie miteinander verbunden hat.  Aber es wurde auch Schwäbisch, Bayerisch und in anderen deutschen Mundarten geredet. Das „Beschkemer“  hat trotzdem so anheimelnd auf alle gewirkt.
Bei der Fahrt durch Ungarn beeindruckte mich die Weite der panonischen Tiefebene. Dann kam die Einreise nach Serbien. Es war gerade für mich deprimierend, der an der Westgrenze Deutschlands wohnt und Grenzen nur als „auf dem Papier stehend“ registriert, dass sich an der Grenze die Bürokratie so zeitraubend breit gemacht hat.  Warum müssen heute noch Pässe zwischen Menschen und Völkern überhaupt  sein?
Eine lange Fahrt bis zur serbischen Grenze
 
Dann kamen wir in Beschka an.  Die Herzlichkeit beim Empfang, nach alter serbischer Sitte mit Brot und Salz – und mit dem obligaten Slivovitz war überwältigend.   Obwohl ich die Sprache  nicht verstehe, erlebte ich sie irgendwie ganz tief vertraut.  Die serbische Sprache, wird neben den bekannten lateinischen Buchstaben auch noch mit fremden kyrillischen Zeichen geschrieben. Das  lässt mich trotzdem empfinden, dass ich in einer anderen Kultur angekommen bin.
Wir wurden mit „Spezialitäten“ herzlich empfangen.
 
Dann kam sie, – die Begegnung mit dem Dorf, mit dem Bürgermeister, mit der Schule, mit dem Geschichtsverein. Überall gewinne ich den Eindruck, dass wir herzlich willkommen sind.  Die Andacht auf dem alten Friedhof, auf dem unsere Voreltern ruhen, hat mich ganz tief berührt und mich daran erinnert, dass auch ich einmal  In der Erde ruhen werde; - nur anderswo, nicht in Beschka. Wir Menschen haben hier auf Erden keine bleibende Stadt…
in der Schule ...
im Heimatverein „stara beška“…
auf dem Friedhof…
Dann kam sie, – die herzliche Aufnahme zuerst in der serbisch-orthodoxen Kirche und einen Tag später in der katholischen Kirche (für relativ wenige Kroaten). Und an ihrem Himmelfahrtstag kommen die Menschen zum Gottesdienst. Sie kleiden sich so, wie ich mir meine Urgroßeltern vorstelle. Und sie wirken auf mich, als ob sie in einer anderen Welt lebten. Ja, sie leben tatsächlich anders als wir.
In der serbischen und katholischen Kirche…
 
Dann kam sie, – die Begegnung mit Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, in der nicht nur die Türken ihre Spuren hinterlassen haben, sondern auch die Deutschen, die Ungarn und andere westeuropäische Völker mit ihren Kulturen. 
Wir machen einen Ausflug nach Belgrad.
 
Dann kam er,  – der Pfingstgottesdienst mit Abendmahl. Er sollte in der ehemaligen evangelischen Kirche im Belgrader Stadtteil Semlin stattfinden. Aber da war das Schloss an der Kirchentür so kaputt, dass es sich nicht öffnen ließ. Der deutsche evangelische Pfarrer für Serbien mutmaßte, dass es sich um Sabotage handeln könnte. Wir haben dann den Gottesdienst in der katholischen Kirche von Beschka mit Dekan Wendel gefeiert. Die Gastfreundschaft der katholischen Mitchristen hat uns wohlgetan.
Pfingstgottesdienst in der katholischen Kirche
Dann kam er, – der Abend auf dem „Sallasch“. Serbische Lieder und Musik zum Tanz, Spanferkel und andere Köstlichkeiten vom Grill, Bier und Wein, - und immer wieder Slivovitz, jedoch mit Maßen und mit vielen versöhnlichen Trinksprüchen und freundschaftlichen Umarmungen.  Und mit einem serbischen Kolotanz, der vor lauter Lebensfreude regelrecht explodierte. 
Der letzte Abend auf dem Salasch
 
Dann kam er, – der Abschied. Wir wohnten in einem Hotel an der Donau, nahe an der unübersehbaren Autobahnbrücke, die nach der Zerstörung durch die Nato (1999) wieder aufgebaut worden ist. Und da stand auch die Geschichte der jüngeren Zeit wieder auf, die auch in Beschka menschliche Schicksale beeinflusst hat.
Letzter Abend an der Donau
Und dann kommen sie, - die Gedanken. Serbische und deutsche Menschen haben lange miteinander gelebt und doch ungewollt einander viel Leid angetan. Jetzt finden sie neu wieder zueinander und beschenken sich gegenseitig als Freunde. Sie bekennen sich zu ihrer gemeinsamen Geschichte und suchen miteinander einen gemeinsamen Weg in die Zukunft. Ein erfreuliches Zeichen hierzu ist u. a. eine beabsichtigte Partnerschaft zwischen Beschka und der Gemeinde Karlshuld im Donaumoos, die bei diesem Besuch in Beschka mit auf den Weg gebracht worden ist.
Walter Nehlich
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