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Die Gedenktafel auf dem Friedhof in Beschka

Der ehemalige deutsche Friedhof in Beschka ist immer noch so beschaffen, dass er deutlich als die Ruhestätte eines ganzen Dorfes erkennbar ist. Darum waren sich die Teilnehmer an den ersten Gruppenreisen darin einig, dass er noch einmal saniert und für die Nachwelt erhalten bleiben sollte. Deshalb dachten wir auch nicht an eine besondere Gedenkstätte an einem bestimmten Platz, sondern waren bemüht, den ganzen Friedhof - einschließlich des so genannten „Nazarenischen“ – als eine würdige Gedenkstätte für unsere verstorbenen Vorfahren herzurichten.

 Es liegt auf der Hand, dass die Besuchsfahrten nach Beschka irgendwann aufhören werden. Und wenn einmal niemand mehr aus Deutschland, Österreich, einem europäischen oder überseeischen Land nach Beschka fahren wird, werden dort immer Menschen leben. Für sie wird der ehemalige deutsche Friedhof  immer ein mahnendes Denkmal bleiben, das sie erinnern wird, dass in ihrem Dorf einmal Menschen deutscher Zunge gelebt haben. Und sie werden darüber nachdenken, warum sie in einer so schweren Zeit am Ende des zweiten Weltkriegs aus Beschka weggegangen sind.
 

Für alle, die diesen stillen Friedhof sehen oder noch betreten werden, haben wir auf einer kleinen Tafel (von 60 x 50 cm auf einem circa eine Meter hohen Podest) mit wenigen Worten ausgedrückt, um was für einen Friedhof es sich handelt. Dort steht in deutscher und serbischer Sprache geschrieben:

Gedenktafel
deutscher und serbischer Text auf der Gedenktafel
 

Diese schlichte Steintafel wurde am Sonntag, dem 26.August 2007 in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht. Sie steht nur wenige Meter neben der kleinen Trauerkapelle aus rotem Backstein, die von der katholischen Gemeinde in Beschka gebaut worden ist. An der anderen Seite der Kapelle steht – ebenfalls auf einem Podest aus rotem Backstein – ein Kreuz. Das ganze gibt ein harmonisches äußeres Bild ab.

Gedenkstein Kapelle Kreuz
Gedenkstein, Kapelle und Kreuz auf dem Friedhof in Beschka

Wir hatten die Geistlichen der serbisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche von Beschka zu unserer Einweihungsfeier eingeladen. Das regionale Fernsehen aus Indjija war ohne unser Zutun auch dabei und hat den Bericht darüber noch am selben Tage ausgestrahlt. Es war – nach Ansicht der Fernsehjournalisten – der erste öffentliche ökumenische Gottesdienst in der gesamten Region Syrmiens (das serbisch „Srem“ heißt).  Auch dass die Geistlichen dieser beiden slawischen Kirchen gemeinsam auftraten, war ein Signal für eine neue gemeinsame Zukunft des Dorfes. Denn in den Wirren des Balkankonfliktes in den 90-er Jahren hat es zwischen diesen beiden Völkern erhebliche Feindseligkeiten gegeben. Es lag in der Tat eine besondere Weihe über dem ganzen Geschehen. Als Besucher aus Deutschland waren wir etwa 50 Personen. Von Seiten der Bevölkerung waren nicht sehr viele Leute gekommen, aber es war auch keine öffentliche Bekanntmachung erfolgt gewesen. Trotzdem standen etwa zwei Dutzend Serben mit uns in der heißen Sommerhitze und bekundeten damit ihre Offenheit uns Deutschen gegenüber.

 
FernsehteamPfarrerZuhörerZuhörer
Fernsehteam vom Lokalsender in Indija, serbische und deutsche Pfarrer und die deutschen und serbischen Zuhörer
 

Die Feier wurde von Dekan Karl-Heinz Wendel geleitet, dessen Eltern aus Beschka stammten, aber schon gestorben sind. Sein Vater war der Maurerpolier Heinrich Wendel, (Jahrgang 1922) und seine Mutter war Hildegard Henn (Jahrgang 1924) aus der Mala Ruma. Die pensionierte Direktorin der Hauptschule in Beschka, Frau Jasmina Matunovic, hat Germanistik studiert und stellte sich freundlich als Übersetzerin der Predigt des Dekans Wendel zur Verfügung. Der serbisch-orthodoxe „Prota“ (einem Probst oder Dekan vergleichbares Amt), Herr Braco Sancanin, wurde von seinem älteren Vorgänger und von seinem Vikar begleitet. Sie zelebrierten miteinander einen orthodoxen Weiheritus, und der katholische Priester Božidar Losavec las das alles überragende „Hohe Lied der Liebe“ aus dem ersten Korinthebrief vor: „Wenn ich mit Menschen- oder Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht…“

Zuhörer Jasmina Zuhörer
Dekan Wendel mit Übersetzerin Jasmina Matunovic und aufmerksame Zuhörer

Dekan Wendel, der als Militärseelsorger auch im Kosovo gedient und bereits gute Erfahrungen mit seinem dortigen serbisch-orthodoxen Kollegen gemacht hatte, konnte mit einfühlsamen und versöhnlichen Worten in einer feinen ökumenischen Gesinnung allen auf dem Friedhof versammelten Christen eine klare Botschaft über die Grundlagen friedlicher Gemeinsamkeit vermitteln. Angehörige beider Völker, des serbischen wie des deutschen, haben über lange Zeiten als gute Nachbarn in Beschka gelebt. Doch sie haben später einander auch viel Leid angetan, weil sie sich von politischen und nationalistischen Ideen gegeneinander aufwiegeln haben lassen. Jetzt schenke Gott den Menschen beider Völker die Chance eines Neubeginns in gegenseitiger Achtung vor ihrer Geschichte und Kultur, und in gegenseitigem Vertrauen in ihre aufrichtige Versöhnungsbereitschaft.

LusavecZuhörerPfarrerSegnung

Der Gedenkstein wird während des ökumenischen Gottesdienstes feierlich eingeweiht.

Es war an dem Sonntag in Beschka ungefähr 35 Grad im Schatten heiß. Wir suchten etwas Schutz vor der glühenden Sonne, etliche spannten einen Schirm auf, andere zogen sich unter die wenigen Bäume weiter hinten zurück. Wir sangen trotzdem unsere schönen deutschen Kirchenlieder. Beim Weihegebet, das die Serben natürlich nicht verstanden haben, hielten sie andächtig inne, und wenn wir unser „Amen“ sprachen, bekreuzigten sie sich nach ihrem frommen Ritus. Es waren keine sehr alten Beschkaer Serben dabei, während unter uns Deutschen auch ein paar Leute von Mitte achtzig waren. Sie hatten noch sehr lebhafte Erinnerungen an die Zeit, als sie vor den eigenen Nachbarn Angst haben mussten. Hier standen Deutsche und Serben miteinander vor Gott und bekundeten ihre Achtung vor den Toten, die in den Gräbern und Grüften rings um die kleine Kapelle ihre letzte Ruhe gefunden haben. 

Kranz
Aus Deutschland brachten wir diesen Kranz zur Erinnerung an unsere Vorfahren mit.
 
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(Erstellt: 05.01.2010, letzte Änderung: 05.03.2017)

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