Familie Eisenlöffel und mehr ...
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Das Leben in Beschka bis zur Flucht 1944

(Augenzeugenberichte, gesammelt und geschildert von L.D. Eisenlöffel)
 

Es gibt bisher kaum Berichte darüber, was in Beschka passierte als im April 1941 deutsche Truppen in unser Dorf kamen. Überall in dem weiten Siedlungsgebiet der „Donauschwaben“ brach ein Gefühl des Triumphes und der Freude aus. Fast wie über Nacht waren alle Häuser der deutschen Familien mit Hakenkreuzfahnen geschmückt; auch in Beschka. Der schnelle Sieg der deutschen Wehrmacht über die jugoslawische Armee brachte der deutschen Minderheit in Jugoslawien beträchtliche Vorrechte gegenüber den Serben. In dieser Zeit haben die deutschen Beschkaer ihre Macht manchmal unnötig forsch und herausfordernd zur Schau getragen. Die „deutsche Mannschaft“, die vorher eher im Rahmen des „Deutschen Kulturbundes“ eine Rolle gespielt hat, wurde jetzt ein politischer Faktor. Es gab Propagandamärsche und Kundgebungen, die ganz im Zeichen des Hakenkreuzes standen, und die Idee vom deutschen „Herrenmenschen“ wurde in einer herausfordernden Weise vorgeführt. Das hat vielen Serben in Beschka natürlich nicht gefallen.

 Spannungen zwischen Serben und Deutschen hat es schon vor dem deutsch-jugoslawischen Kriege von 1941 gegeben. Peter Deringer wurde 1940 von einem Serben erschossen, und Karl Blenich wurde 1941 auf dem Felde von unbekannten Tätern ermordet. Aber eine Gefahr durch Partisanen im Sinne der späteren Tito-Armee gab es zu dieser Zeit in Beschka noch nicht. Im Nachbardorf Krtschedin waren sie öfter in Erscheinung getreten und haben in einigen Fällen brutalste Überfälle auf deutsche Familien verübt. Diese Vorgänge wurden im Heimatbuch von Krtschedin schon beschrieben. Der Verfasser des Beschka-Buches, unser ehemaliger Schulleiter Peter Lang, hat die Situation in Beschka für diese Zeit von 1941 bis zur Flucht 1944 ebenfalls sorgfältig und ausführlich geschildert. 

 Es gab auch in und um Beschka herum mancherlei Konflikte zwischen den heimlich operierenden Partisanen und der Bevölkerung, sowohl der deutschen als auch der serbischen. Denn es ist beiden Seiten Unrecht und Gewalt angetan worden, so dass eine Straftat der einen Seite jeweils eine Vergeltungsmaßnahme der anderen Seite nach sich gezogen hat. Die Aktivitäten der im Untergrund operierenden Partisanen nahmen im Umfeld von Beschka nach und nach auch zu. Die Armee des selbsternannten „Feldmarschalls“ Tito kämpfte nicht nur gegen die Besatzung Jugoslawiens durch deutsche Truppen, sondern auch für die Ausbreitung der kommunistischen Ideologie. Das brachte die altserbischen nationalistischen „Tschetniken“ dazu, sich an die Seite der deutschen Besatzungsmacht zu stellen. Ihr Ideal war die Wiederherstellung der Königsherrschaft in Jugoslawien, die schon eine lange Tradition in Serbien hatte. Diese national-serbische Streitmacht wurde später von den Partisanen schonungslos liquidiert.

 Die Partisanen begannen  auch  bald, die jungen Serben in ihre „nationale Befreiungsarmee“ einzuberufen. Sie drohten den völlig überrumpelten nicht kommunistischen Serben mit der Erschießung, wenn sie der Einberufung nicht folgen würden. So verschwanden auch in Beschka buchstäblich bei Nacht und Nebel immer mehr junge Serben. Das Freischärlertum war an sich eine feige Armee, die jedem direkten Kampf gegen die deutschen Soldaten ausgewichen ist. Ihre Taktik bestand darin, durch rücksichtslosen Mord Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie operierten heimlich und richteten ihre Stützpunkte mit Vorliebe auf den „Salaschen“ ein. Dort horteten sie Lebensmittel und Waffen, mit denen sie ihre „kämpfenden Truppen“ versorgt haben. Doch immer häufiger drangen sie auch am Tage in solche Dörfer ein, die von Deutschen bewohnt waren, und nahmen willkürlich jeden Deutschen mit, der ihnen in die Hände fiel. Manche wurden auf der Stelle erschossen oder zu Tode malträtiert, andere haben sie als Geiseln benutzt, um von der deutschen Wehrmacht gefangene Partisanen wieder freizukaufen.

 Es war üblich, dass sie für eine deutsche Geisel im Austausch 10 gefangene Partisanen verlangt haben. Das war zum Beispiel der Fall, als es den Partisanen gelungen war, die Kaserne des „Deutschen Arbeitsdienstes“ in Esseg (Osijek) bei Nacht zu stürmen und rund 100 sehr junge deutsche Männer im Nachtzeug gefangen wegzuführen. (Mein ältester Bruder Georg Eisenlöffel, Jahrgang 1925, war auch unter den Gefangenen). Die 100 jungen Deutschen wurden auf jede erdenkliche Weise mit Todesdrohungen eingeschüchtert. Am Ende wurden sie aber gegen 1000 Partisanen ausgetaucht, die sich im Gewahrsam der deutschen Wehrmacht befunden hatten.   Es ist sogar ein Fall bekannt geworden, in welchem die Partisanen  für eine deutsche Geisel 100 serbische Geiseln verlangt - und bekommen haben.

 Peter Lang hat im Beschka-Buch wichtige und gefährliche Aktionen beider Seiten geschildert. Es hat in den Kampfhandlungen leider immer auch mehr Tote auf Seiten der Partisanen gegeben als auf Seiten der Deutschen. Typisch für solche blutigen Auseinandersetzungen war die Entdeckung des Partisanennestes auf dem Salasch von Fäller. Der Leser mag sich daran erinnern. Es waren 18 Mann, die alle in einem Maisfeld erschossen worden sind. Von da an wurde den Deutschen in Beschka klar, dass sie ihr Dorf nachhaltiger bewachen mussten. Die für den Schutz des Dorfes verantwortlichen Männer haben zu der Zeit auch eigene Strafmaßnahmen in Beschka durchgeführt. So nahmen sie bis dahin unbescholtene serbische Nachbarn als Geiseln, um die Partisanen  in Schach zu halten. Es waren die Väter oder Brüder solcher Beschkaer Serben, die der Einberufung in die Partisanenarmee gefolgt waren. Sie wurden in einem Arrestraum im Gemeindehaus eingesperrt. Als die Deutschen aus Beschka geflüchtet sind, soll der damalige Bürgermeister Stefan Hoffmann die Schlüssel zu diesem Arrest dem Serben Paunovic gegeben haben, damit er die als Geiseln gehaltenen Beschkaer Serben aus dem Arrest befreien habe können.

 Einmal wurde in der Nähe des Beschkaer Bahnhofs ein Verwundeten- und Urlauberzug der deutschen Wehrmacht durch eine Mine in die Luft gesprengt. Es gab viele Schwerverletzte und Tote bei diesem Attentat, über das es sogar das Gerücht gegeben hat, dass es ein deutscher Beschkaer ausgeführt haben soll, der als Schrankenwärter beim Bahnhof beschäftigt war. Sein Motiv für eine solche Wahnsinntat wäre absolut rätselhaft gewesen. Als Straf- und Vergeltungsmaßnahme hat ein Standgericht der deutschen Wehrmacht 20 serbische Geiseln zum Tode verurteilt. Zehn von diesen unglücklichen Menschen waren aus Beschka und zehn aus dem serbischen Nachbardorf Tschortarnovci. Die jungen Männer wurden erhängt, die älteren erschossen. Die deutschen und die serbischen Bewohner von Beschka haben dieses tödliche Drama voll mitbekommen. Ein junges Mädchen, das die Hingerichteten im Vorbeigehen gesehen hatte, konnte tagelang nicht mehr essen und nicht mehr schlafen. So mag es angesichts der schrecklichen Bilder vielen anderen in Beschka auch ergangen sein.

 So entstand zunehmend eine Spirale von Hass und Vergeltung, die beiden Seiten der Bevölkerung Beschkas unheimlich wurde. Das führte dazu, dass einer dem anderen nicht mehr trauen konnte. Von den damals gestandenen Männern im besten Alter waren nur noch wenige daheim, weil alle anderen zum Militärdienst eingezogen worden waren. Die „Heimatwache“, die sich aus den älteren sowie aus den für den Kriegsdienst noch zu jungen Jahrgängen rekrutierte, war hoffnungslos überfordert. Wie anstrengend der Wachdienst für die 16-  bis 50-jährigen Männer war, kann man im Beschka-Buch nachlesen. Die führenden Leute des Dorfes litten selbst unter den Zwängen, die sich aus der bedrohlichen Situation heraus immer neu ergeben haben. Die Verantwortung für die Ordnung und Sicherheit im Dorf lag in ihren Händen und sie mussten bei allen Risiken ihres Auftrages bis zuletzt ihren Mann stehen.

 Das Kommando hatten angesehene Persönlichkeiten des Dorfes, die wegen ihrer wichtigen beruflichen und gesellschaftlichen Stellung nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Dazu zählten die zwei Pfarrer Karl Peter (evangelisch) und Philipp Bellmann (reformiert), die Lehrer Peter Lang und Heinrich Bächer, der Bürgermeister Stefan Hoffmann und die kommunalen Beamten sowie mehrere angesehene Bürger der so genannten Oberschicht. Sie mussten schließlich im Oktober 1944 die Flucht der Deutschen vor den Partisanen organisieren und konnten die innere und äußere Not ihrer deutschen Mitbürger kaum ohne tiefstes Leid bewältigen. Diese fast übermenschliche Anstrengung ist bereits anschaulich beschrieben worden. Im nächsten Kapitel berichte ich über die Verhältnisse im heutigen Beschka, - über 60 Jahre nach unserer Flucht.

 

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(Erstellt: 05.01.2010, letzte Änderung: 05.03.2017)

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