Familie Eisenlöffel und mehr ...
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Der ehemalige deutsche Friedhof in Beschka

Der deutsche Friedhof in Beschka ist indessen nur wenig beschädigt. Es handelt sich um einige Grabsteine, die offensichtlich absichtlich umgestürzt worden sind. Die Gemeinde-Behörde hat den ganzen deutschen Friedhof in Verbindung mit der planmäßigen Ansiedlung von Kroaten in Beschka der römisch-katholischen Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt. Sie hätte damit das Recht gehabt, die vorhandenen deutschen Gräber   und Grüfte für ihre Bestattungen zu benutzen. Das haben die kroatischen katholischen Geistlichen aber nicht gemacht, zumal sie noch genügend Platz für ihre Bestattungen neben dem deutschen Friedhof hatten.

Bis um das Jahr 2000 hat sich niemand um den deutschen Friedhof in Beschka gekümmert. Gelegentliche Besucher in früheren Jahren haben ihn völlig von Wildwuchs und Sträuchern überwuchert angetroffen, so das sie gar nicht bis zu den Gräbern ihrer dort bestatteten Angehörigen vordringen konnten. Lediglich die höchsten wie Obelisken gestalteten Grabsteine ragten über dem Gestrüpp heraus und ließen erkennen, dass dort einmal ein Friedhof war. Als sich nach dem Balkankonflikt der 90-er Jahre der Friede auch in Beschka wieder bemerkbar machte, ergriff etwa ein Dutzend katholischer Männer die Initiative, den deutschen Friedhof den Augen und den Füßen der Menschen wieder zugänglich zu machen. Sie rodeten an vielen Wochenenden freiwillig und unentgeltlich das gesamte Areal, des immerhin noch etwa 15.000 qm großen deutschen Friedhofs.

Friedhof Friedhof Friedhof
Ansichten des Friedhofs

Als im Jahre 2005 die erste Besuchergruppe geschlossen zum Friedhof ging, lag er immerhin für jedermann sichtbar und begehbar vor uns. Man konnte alle noch bestehenden Grabstätten und Familiengrüfte besuchen, und es gab noch viele lesbare Inschriften mit den Namen und persönlichen Daten der zwischen 1860 und 1944 in Beschka verstorbenen Menschen deutscher Zunge. Nicht jeder Besucher konnte das Grab seiner Vorfahren noch ausmachen. Wo nur ein Holzkreuz mit einer Namenstafel über einem Grab gestanden hatte, gab es 60 Jahre später keinen sicheren Hinweis mehr darauf, wer unter einem grün überwachsenen Grabhügel seine letzte Ruhe gefunden hat. 

Trotzdem konnten wir in einer spontanen Aktion noch etwa 140 Grabsteine oder Gedenktafeln ausmachen und die darauf stehenden Namen und Inschriften entziffern.

Ursula Eisenlöffel, die nicht aus Beschka sondern aus Bochum im Ruhrgebiet stammt, hat sich von dem vernachlässigten Zustand des Friedhofs ansprechen und motivieren lassen, alles noch mögliche zu seiner Sanierung zu versuchen. Anhand des Familienverzeichnisses von unserem damaligen Schulleiter Peter Lang im Beschka-Buch haben wir die meisten Nachkommen der in Beschka verstorbenen Landsleute ausfindig gemacht und ihnen berichtet, wie gut es auf dem Beschkaer Friedhof 60 Jahre nach unserer Flucht immerhin noch aussieht. Wenn sie Interesse daran hätten, die Grabstätte oder Gruft ihrer Vorfahren – oder den Friedhof insgesamt – noch einmal zu verschönern, sollten sie dafür eine Spende nach eigenem Ermessen an uns schicken. Es sind daraufhin innerhalb kurzer Zeit rund 5.000.-- € an Spenden eingegangen. Als vordringlichste Maßnahme einigten wir uns mit den Betroffenen darauf, zu allererst den Friedhof zur Straße hin einzufrieden. Eine Mauer oder ein Drahtzaun ließ sich wegen der behördlichen Auflagen nicht verwirklichen.

Fleißige Helfer Fleißige Helfer Fleißige Helfer
Fleißige Helfer auf dem Friedhof

So haben wir uns entschlossen, unseren deutschen Friedhof in Beschka – einschließlich des so genannten „Nazarener-Friedhofs“ – mit winterharten Thujen zur Straße hin abzugrenzen. Ein solcher „lebendiger“ Zaun muss in den ersten Jahren zwar gegossen werden, bleibt aber danach für viele Jahrzehnte ohne Folgekosten bestehen und hat außerdem den Vorzug, dass er immer höher und für das Dorfbild schöner wird. Hinzu kommt, dass einige Familien ihre Gruft in Beschka von einem Steinmetz neu gestalten ließen. Die kommunale Gemeinde Beschka will sogar einen Antrag stellen, dass unser deutscher Friedhof als „Kulturdenkmal“ anerkannt wird. Unter diesem Aspekt bekommt die mit Marmor-Obelisken und mit einer schmiedeeisernen Einfriedung versehene Familiengruft des Arztes Dr. Začek (Satschek) eine besondere Bedeutung. Sie ist wirklich ein besonderes kulturelles Kleinod. Die Familie hatte zwar einen slowakischen Namen, fühlte sich aber als deutsch und brachte das mit den deutschen Inschriften zum Ausdruck.

 

Die „lebende“ Hecke wird gepflanzt, daneben die Začek-Grabstätte

 

Wir pflanzen weiterhin an leeren Stellen zwischen den alten Gräbern Nadelbäume und blühende Sträucher, und ebenso in jedem Jahr neue Krokusse und Frühjahrsblumen, die unseren Friedhof in den wechselnden Jahreszeiten mit ihren Farben und Beeren immer anders beleben.

 

Es gibt Neues...

Juni 2011

In diesem Jahr konnten wir, dank vieler Spender, das Eingangstor für den Friedhof in Auftrag geben. Wir waren alle sehr gespannt, wie es aussehen würde.
Am 3. Juni 2011 versammelten sich die deutsche Reisegruppe, Gläubige der katholischen Kirchengemeinde und der serbische Pfarrer mit anderen einheimischen Bürgern auf dem Friedhof. Auch bei diesem Anlaß war das Fernsehen wieder dabei.
Dekan Karl-Heinz Wendel und der kroatische Pfarrer Bošidar Losavec nahmen dann die Weihe des Friedhofstores vor. Es war ein bewegender Augenblick, denn so manch einer dachte an seine lieben Vorfahren, die auf diesem Friedhof zur letzten Ruhe gebettet wurden.

Toreinweihung Gemeinde Weihe
Toreinweihung

Das Aussehen des Friedhofs hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die kleinen Thujen sind, dank der guten Pflege, inzwischen 2 Meter hoch. Beim ersten Pflanzabschnitt, musste man leider einige Lücken gelassen, weil der Pflanzbohrer auf Stein gestossen war. Wir wollen versuchen, diese Lücken noch zu schliessen.

März 2012

Inzwischen haben wir einen wunderbaren Arbeiter gewonnen: Toma. Er hatte im vergangenen Jahr schon einmal einen Teil des dichten Buschwerks am unteren Ende des Friedhofs abgebrannt. Daraufhin wuchs alles nur noch besser. Jetzt im Frühjahr hatte er damit begonnen, bis auf etwa einen Meter als Begrenzung, alle Sträucher samt Wurzeln zu entfernen. Das war eine sehr anstrengende Arbeit, denn er hatte ja keine große Maschine und machte alles mit einer einfachen Kettensäge. Leider ist der Boden an dieser Stelle sehr lehmig und nachdem es viel geregnet hatte, versank man im Schlamm.

Rodung Rodung Rodung
Toma bei der Arbeit... ...Lehmboden... ...wir brauchen neue Erde

Juli 2012

Das Frühjahr war sehr nass, doch dann folgte ein ungewöhnlich heißer Sommer. Im Juli begann die Erweiterung des Friedhofsweges. Man musste die Männer wirklich bewundern, die bei brütender Hitze (bis 40°) diese schwere Arbeit verrichteten. Die Fotos geben einen kleinen Eindruck davon. Jetzt ist der Friedhofsweg vom Eingangstor bis zum unteren Teil des Friedhofs fertig und sieht wirklich gut aus.

Weg Weg Weg
Trotz der Hitze... ...ging die Arbeit zügig voran ...das Ergebnis

September 2012

Als wir im September nach Beschka kamen, hatte es dort über 2 Monate nicht mehr geregnet. Wir wollten aber gerne die Lücken in der Hecke noch schließen. Alle rieten uns von der Pflanzung ab. Wir haben gebetet, weil wir doch ungern unverrichteter Dinge wieder heimfahren wollten. In der Nacht von Sonntag auf Montag und dann auch den ganzen Tag über regnete es tatsächlich wie aus Kübeln. Also kauften wir am Montag in einer Baumschule die Thujen und Toma begann noch am gleichen Tag mit der Pflanzarbeit, trotz des heftigen Regens! Und er hat tatsächlich alles geschafft.

Beton Lücke Eingang rechts


Am Dienstag schien wieder die Sonne und wir machten uns an die nächsten Arbeiten. Vor dem Tor wurde Erde abgetragen, und der Eingangsbereich rechts und links des Tores gleichmäßig gestaltet. Mit der übrigen Erde wurde der betonierte Eingangsweg an den Seiten aufgefüllt.Einige Gehölze, besonders vor dem Gedenkstein für unsere Toten, waren inzwischen sehr groß geworden. Sie wurden an anderen Stellen innerhalb des Friedhofs eingepflanzt.

Fleißige Helfer Weg Versetzen

 

Gedenkstein Eingang vorher Eingang

April 2013

Jetzt wurde der untere Teil des Friedhofs neu gestaltet. Auf die gesamte Fläche, immerhin ca. 2000 qm, kam eine Schicht neue Erde. Mit unseren Freunden kauften wir kleine Fichten, die im kleinen Gruppen gepflanzt wurden. Inzwischen ist die gesamte neue Fläche des Friedhofs schön grün geworden. Im Frühjahr sieht es besonders schön aus, wenn die Weißdornhecke blüht und überall Narzissen und Glockenblumen blühen. Wer sie wohl gepflanzt hat?

 Bäume Bäume Bäume
Neue Erde wird angefahren... ...und kleine Fichten gepflanzt... Ein Meer von Blüten...

Wir haben auch wieder 5 namenlose Gräber, bzw. Grabhügel, mit ihren Namen versehen können. Ganz zufällig wurden zwei weitere Gräber, davon ein jüdisches, auf bzw. neben dem Nazarener Friedhof entdeckt. Nikola hat die Inschriften auf den Grabsteinen sehr schön restauriert. Seine Frau Emilija hat zudem einen Lageplan von allen deutschen Gräbern gemacht. Nur wenn man den Friedhof gesehen hat, kann man ermessen, was das für eine Arbeit war. Ein herzliches Dankeschön an Nikola und Emilija.

Juni 2014

Unser Freund Toma kümmert sich sehr gewissenhaft um den Friedhof. So haben wir im Frühjahr gesehen, wie er den Eingangsbereich und den neuen Teil des Friedhofs mit einem Trimmer mähte. Was für eine Arbeit! Am Nachmittag setzte er diese Arbeit auf dem Salasch Stojsic fort. Ein Aufsitzmäher wäre eine gute Sache, so dachten wir. Wir sprachen mit Dusan, ob wir uns die Anschaffung eines solchen Mähers nicht teilen könnten. Toma könnte dann die Mäharbeiten viel schneller und leichter erledigen. Er erkundigte sich nach den Preisen und wir wir sagten ihm die Hälfte der Kosten zu.

Anlässlich unserer diesjährigen Beschka-Reise sammelten wir für den Aufsitzmäher und es hat tatsächlich geklappt. Der Aufsitzmäher konnte gekauft werden.

Juli 2014

Wir waren noch nicht lange wieder zu Hause, als die ersten Fotos von Toma und seinem Rasenmäher kamen. Jetzt bleibt der Rasenschnitt nicht mehr liegen und sieht unansehnlich aus, sondern er wird gleich zerkleinert und dient als Dünger.

 Mäher Mäher Mäher
Toma und... ...sein neuer... ...Rasenmäher

Die vorerst letzte Anschaffung sollen Bänke sein, die zum Verweilen einladen. Vielen Dank allen, die mitgeholfen haben, den ehemaligen deutschen Friedhof in eine würdige Ruhestätte umzugestalten.

(Erstellt: 05.01.2010, letzte Änderung: 05.03.2017)

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