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Gemeinsame Reise in Omis junge Jahre: Beschka 2013


Katharina Schönborn ist meine Oma Kathi und der lebensfrohste Mensch, den ich kenne. Meine Kindheitserinnerungen sind voll von Tagen, an denen wir gemeinsam backen, kochen, singen, lachen und tanzen (Foto links: Dez.1989). So weit so gewöhnlich. Etwas aber war da anders: Warum reimte nur meine Oma, wenn ich auf ihrem Schoß saß, „Hauruck – Vöcklabruck?“ Und warum war ich die Einzige in der Grundschule, die zum Frühstück Polenta-Nockerl in kalter Milch und auf dem Schulhof Palatschinken oder kukuruz aß? Und dann diese vertrauten Wörter Batschka, Beschka, Klenak oder Save, von denen ich immer dachte, sie seien etwas zu essen...

Heute ist Omi mit ihren stolzen 89 lebensfroh wie eh und je; und ich mit 30 um vieles schlauer: 1924 in Klenak an der Save geboren, besuchte die junge Katharina nämlich oft ihre Oma in Beschka und lebte nach der Flucht 1944 mit ihrer Mutter und drei Schwestern fünf Jahre im Fluko-Lager in Vöcklabruck (Österreich). Bereits 2009 fuhren wir das erste Mal und privat in die südliche Batschka. Seit 2010 aber reisen Oma Kathi und meine Mutter Renate jedes Jahr mit der Reisegruppe des Ehepaars Eisenlöffel nach Serbien – und da sie jährlich begeisterter zurückkehren, beschloss ich, mich ihnen dieses Jahr anzuschließen und fuhr kurzerhand mit – und wie heißt es so schön: Wenn eine eine Reise tut, dann kann sie was erzählen…

1989 - Sarah mit Omi Omi Katharina, Sarah und Mutter Renate

Unsere Busfahrt endet frühmorgens, als wir bei Nebel und Nieselregen unser Gepäck im Parkhotel ausladen und gleich darauf weiter auf den Salasch fahren. Denn dort werden wir bereits von fröhlichen BeschkaerInnen – viele sind der Gruppe schon altbekannt und herzlich verbunden – erwartet und mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet herzlich in Empfang genommen. Sava, ein Beschkaer um die Ende Dreißig, umarmt meine Oma und meine Mutter und stellt sich dann auch mir vor: Er sei auf den Salasch gekommen, um uns auch dieses Jahr wieder in sein Haus einzuladen – das Haus, in dem einst die Oma meiner Oma wohnte! Allein dieses Gefühl, so willkommen zu sein, lässt meine Müdigkeit im Handumdrehen verfliegen – Dobro jutro, Beschka!

Gemessen an den vielen Eindrücken, die von diesem Moment an auf mich einprasseln (und der Fülle an so vertrauten Leckereien – Prijatno!), ist rückblickend kaum zu glauben, dass wir nur fünf Tage vor Ort waren. So besuchten wir u.a.(!) die deutsche Botschaft, das Nicola-Tesla-Museum und die Kathedrale des Heiligen Sava in Belgrad, das Parlament der Vojvodina und die Innenstadt von Novi Sad, zwei Klöster, ein Weingut, das Beschkaer Rathaus und den jungen Bürgermeister, den Kindergarten, das Dörner Haus, den Wochenmarkt sowie das Tanzfest im Kulturzentrum von Beschka. Dessen Straßen und Gassen erkundeten wir zudem nicht nur zur Fuß, sondern auch hoch zu Ross mit der Pferdekutsche.

Sehr bewegend war der Besuch des ehemaligen deutschen Friedhofs, auf dem der 2007 von Dekan Karl-Heinz-Wendel eingeweihte Gedenkstein an unsere Vorfahren erinnert, die zwischen 1860 und 1944 in Beschka verstorben sind. Manche standen  das erste Mal vor der Familiengruft ihrer Verwandten, während andere „ihre“ mit großer Sorgfalt restaurierten Grabsteine bestaunen konnten. Auch Dörners, die Großeltern meiner Oma, ruhen hier. Leider können die vielen abwechslungsreichen Programmpunkte nur angerissen werden. Denn es ist mir abschließend ein Bedürfnis zu nennen, was ich von dieser Reise noch mitgenommen habe:

Zum einen ist es das unschlagbar wunderschöne Gefühl, gemeinsam mit Omi an den Orten ihrer jungen Jahre gewesen zu sein (nicht ohne ein Tänzchen im Sidro, versteht sich) und so noch besser verstehen zu können, wo sie buchstäblich herkommt. Zum anderen ist es das schöne Wissen, jederzeit wieder nach Beschka kommen zu können, um mit Sava und den vielen anderen BeschkaerInnen auf dem Salasch oder im Offside mit einem Jelen Pivo oder Šljivovica auf unsere Begegnung und den Frieden anzustoßen. Hvala lepo und Doviđenja, Beschka!

Berlin im Juli 2013, Sarah S.

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